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Osmanlı Padişahları

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1807-1808

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1839-1861

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1861-1876

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1876

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1876-1909

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1909-1918

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1918-1922

Ahmed III 1714

Ahmed I 1614

Murad IV 1624

Aktenkunde

Eine kleine Einführung zur osmanischen Aktenkunde und Diplomatik.

Aktenkunde

Akten sind schriftliche Quellen, die als Produkt einer Ver- waltungsorganisation im Schriftverkehr entstanden sind. Sie resultieren aus der Entstehung von Urkunden und Unterliegen in ihrer Systematik formalen Merkmalen.

Entstehungsanlaß für die Ausstellung von Urkunden der osmanischen Zentralkanzlei war entweder die Reaktion auf eine Eingabe oder aus eigener Initiative. Wurde eine Eingabe an die Kanzlei gemacht folgte eine Prüfung des Sachverhaltes, abhängig von der Wichtigkeit oder der Rangstufe des Antragstellers.War es erforderlich im großherrlichen Staatsrat (diwan) die Eingabe zu beraten, musste zuvor eine sachliche und rechtliche Prüfung durchgeführt werden.Die im Staatsrat getroffenen Entscheidun- gen (Beurkundungsbefehle) wurden in ein Protokoll einge- tragen. Am Ende der Sitzungen trug man nun die Protokolle in das großherrliche Register (rüus defteri) ein. Hierauf konnte

Oben: Kontrolle einer Urkunde durch den Staatssekretär für den Großherlichen Namenszug und Leiter der Kanzlei der Zentralverwaltung (Nişancı) 16.Jh. (Topkapi Sarayi Müzesi)

ein Konzept (müsvedde) erstellt werden. Dieses Konzept wurde noch einmal auf Inhalt, Form und kaligraphische Genauigkeit geprüft und falls nötig, vom Aussteller korrigiert. Das auf diese Weise entstandene Konzept bildete die Grundlage der Rein- schrift. Die so ausgefertigten Urkunden bzw. Abschriften wurden täglich, in chronologischer Reihenfolge, in ein Ausgangs- register eingetragen. Eingetragen wurden nur die unbedingt notwendigen Dinge, sowie die Übertragungsart. Die verwendeten Register unterschieden sich in der Art und Wichtigkeit der Urkunde z.B. das fiskalische Register (mâliyye ´ahkam defteri), das Register für wichtige staatsrechtliche Urkunden (mühimme defteri) oder für gewöhnliche Urkunden (adî defteri). Eingaben und Beschwerden wurden im (ŝikâyet defteri ) registriert, ebenso sind Geheimregister (sïrr defteri) und Feldzügeregister (ribâb mühimmeleri) bekannt, sowie das Lehensjournal (ruznâmce) oder das Vakanzregister (mâ hlül defteri).

Tuğra

Gleichfalls wichtig erscheint die Praxis der „Blankofermane“ (beyaz huküm). Dabei handelt es sich um unkanzleimäßige Sultansurkunden, welche nur mit der Tughra versehen meist dem Feldherrn mitgegeben wurden, sofern der Sultan nicht in eigener Person anwesend war. Zur Kontrolle wurden die Urkunden mit dem großherrlichen Register verglichen. Das sich ansammelnde Schriftgut wurde in Konstantinopel im Zentralarchiv gesammelt und gelagert.

Nach der Registrierung der Urkunde erfolgte die Zustellung. Dabei sind drei Arten der Zustellung zu unterscheiden, nämlich die direkte Zustellung nach der Staatsratssitzung oder durch den dafür besonders Beauftragten (berat emini) und die Zustellung durch einen Boten. Übrigens war die Ausstellung einer Urkunde gebührenpflichtig. Bei den unterschiedlichen Zustellungsarten durch Boten kann ein Rangverhältnis dieser in Bezug auf den Adressat nicht fest- gestellt werden. Der Bote konnte eine Vertrauensperson des Adressaten sein, ein zufällig in dessen Richtung reisender Vertrauensmann der großherrlichen Kanzlei, ein Gesandter im Verkehr mit dem Ausland oder ein von der Kanzlei bzw. Staatsrat ausgesuchter Überbringer. Bei letzterer Gruppe handelt es sich um Tschausche, Pfortendolmetscher, Müteferriqas oder höhere Würdenträger. Bei wichtigen Urkunden wurde dem eigentlichen Bote noch eine angemessene Bewachung zugeteilt.

Oben: Bestandteile der Tughra “ Süleyman şah ben Selim şah han al muzaffar da`iman”(1)

Entstehung einer (Sultans-) Urkunde (Ferman)

 Reaktion der                                                                          Auf Initiative Zentralkanzlei                                                                        Zentralkanzlei

- Eingabe/Petition etc.                    Kanzlei                   - Ernennungen/Befehle etc.

Vorbereitung der Vorlage

im Staatsrat

Staatsratssitzung

- Entscheidungsprotokolle

(Beurkundungsbefehle)

- Eintragung in Register

Konzept

- Prüfung des Konzeptes

evtl. Wiedervorlage

- Konzeptkorrektur

Reinschrift

Ausfertigung der Urkunde

und Abschrift ins

Ausgangsregister

Zustellung

Die wichtigsten Sultansurkunden des 16 Jh.

nâ me                            hükm                                     ber ât

      (Schreiben)                      (Befehle)                          (Ernennungen)

- Siegschreiben (fethnâme)                                        Ernennung (höherePositionen)       - Kapitulationen (´ahdnâ me)                                       (ni ŝân)

- Besitzurkunden (mülknâme)                                    Ernennungen (niedere Positionen) - Ermahnungsschreiben (temlîknâ me)                           (sebeb-i tahî r)         .

Allgemeine Befehle in Staatsangelegenheiten

(ahkâm-i mühimme)

 Petitionen

(ahkâm-i ŝikâyet)

Finazdekrete

(ahkâm-i mâliyye)

Zuweisunegen

(tevğîh fermânları)

Bildergallerie aller osmanischen Sultane und der dazugehörigen Tughras.

Die grossherrliche Tughra

Unter Tughra (tuğra) versteht man den monogrammartigen Namenszug das Sultans als des Ausstellers der Urkunde über jedem großherrlichen Handschreiben, Erlass Patent, Diplom überhaupt über allen großherrlichen Willensäusserungen. Rechtsverbindliche Urkunden mussten mit der Tughra versehen sein. Sein Ursprung liegt wohl in seldschukischen Vorbilder. Dennoch ist die eigentliche Form eine eigenständige osmanische Kunstform, die von anderen Herr- schern in Kleinasien, Afghanistan, den Krimchanen und in Ägypten nach- geahmt wurde.

Die Tughra besteht aus drei vertikalen Schäften, über die sich , links begin- nend zwei Schlingen ausbuchtend nach oben ziehen, deren Enden weit nach rechts hinausragen. Der Fuss der Schäfte läuft in ein Wurzelwerk aus. Hier wird der Text von unten nach oben gelesen z.B. Süleyman Sohn des Vaters Selim Schah Chan immer sieg- reich (Süleyman  şah ben Selim şah han al muzaffar da`iman). Die Tughra wurde durch den (Nişancı) auf die Urkunde aufgezeichnet.

Neben den Sultanen und Krimchanen haben auch einige Prinzen die Tughra benutzt. Ganz ähnlich gestalten sich die Namenszeichen der Wesire (pence).

Im 18. Jh. begann man die Tughra auch als Symbol und Dekoration an Gebäuden anzubringen. Im 19 :Jh. wurde die Tughra auch auf Brief- marken und Münzen dargestellt. Mit der Gründung der Republik Türkei verschwand die Tughra als offizielles Staatssymbol, findet aber in neuester Zeit in Firmenemblemen vielfach Verbreitung.

Links: Pence des Scheich ül-islam Sa`di Sa`dullah Tschelebi.                   Mitte: Pence Wesir Hamza Beg 1472.                                      Rechts: Stadtwappen von Istanbul    Unten: Tughra Abdülhamid II 1898

Diplomatik ( Diplomatik. Arbeitstechniken in der Geschichtswissenschaft. deut.)

Die osmanische (Sultans) Urkunde geht durch kontinuierliche Entwicklung aus arabischen, persischen und seldschukischen Formen hervor. Parallelitäten zu abendländischen Urkunden sind nicht zu übersehen, da als Urvorlage römische bzw. byzan- tinische Urkunden anzusehen sind. Unterschiede liegen in der Ausschließlichkeit von rechtlichen Inhalten in abendländischen Urkunden, die so in osmanischen Urkunden nicht immer getrennt werden.

Alle osmanischen (Sultans) Urkunden unterliegen einer formellen Gliederung die nur in Ausnahmefällen von der festgelegten Form abweichet.

Die Urkunden beginnen mit der Inocatio. (Oftmals wurde diese Anrufungsformel von Gott bei vielen Urkunden abgetrennt.). Dann folgt die Beglaubigung durch die großherrliche Tughra an die sich die Intitulatio, also die in Reimprosa (sag) gehaltene Aufzählung von Namen und Titel anschließt. Es folgt die Inscriptio, die Nennung des Empfängers und die Salutatio eine in der 2 Person Singular erfolgte Anrede. Urkunden späterer Epochen wechseln zur 2 Person plural. Die nun folgten Narration und der eigentliche Inhalt die Dispositio sind ebenso in Reimprosa gehalten wie die nachfolgende Sanctio und Korroboration. Bei der Datierung treten vor allem Unterschiede in der Schreibweise des Datums auf. Meist erfolgt die Datierung in Buchstaben, sie kann aber auch nur als Aufzählung einer Dekade erfolgen. Hinzutreten Ehrennahmen des Monats und zusätzliche Apposition die auch in der Ortsangabe aufgenommen wurden.

Die Urkunden wurden zum überwiegenden Teil auf oberitalienischen und später französischen Papier geschrieben, wobei die Oberflächenglättung im Osmanischen Reich selbst erfolgte.

Gliederung einer osmanischen (Sultans-) Urkunde  Terminologie der Urkundenlehre (deut.)

PROTOKOLL (Einleitung)

Invocatio (Anrufung Gottes)                            davet/ temhit oder temcit

Tughra (Gorßherrliches Handzeichen)              tuğra/pencs

Intitulatio (Name/Titel des Austellers)              ´unvân

Inscriptio (Empfänger)                                     elq âb

Salutatio (Anrede)                                           du` â

KONTEXT (Rechtssetzender Teil)

Narratio (Grund der Urkunde)                         naql/iblâġ/tesrih

Dispositio (Materieller Inhalt)                          hükm/emr

Sanctio (Strafandrohung)                                 te`kid

Corroboratio (Angabe der Beglaubigungsmittel)

ECHATOKOLL (Schluß)

Datatio (Datierung)                                          t ârih

Locus (Ortsangabe)

Information zur osmanisch-türkischen Sprache und Schrift / Kalligraphie

Oben: Ferman 1559 an den Sandschakbeg von Fülek. Urkundenart (hükm-i mühimme) Schrift riq`a übergehend in divani.

Unten: Übungstext zur Gliederung eines Urkundentextes mit der Links abgebildeten Vorgehensweise.

*Quelle: Matuz, Josef: Das Kanzleiwesen Sultan Süleymans des Prächtigen. (Freiburger Islamstudien; Bd. V). Wiesbaden 1974 S. 143 ff.

(Invocatio) Er (Tughra) Süleyman, Sohn Selim Chans, immer siegreich. (1)(Inscriptio)Vorbild der ehrwürdigen Emire, Stütze der erlauchten Edlen, Besitzer der Macht und Hochachtung, durch die Fülle der Gnade des allwissenden Königs Beschenkter, Sandschakbeg von Fülek (Salutatio) lang dauere sein Ruhm.(2) (Notificatio) Bei Ankunft des erhabenen großherrlichen Handzeichens sei kund, daß jetzt gemeldet wurde, (3) (Narratio) entgegen dem zwischen beiden Seiten bestehenden Vertrag und Sicherheits- und Friedensabkommen seien einige Orte des landes Polen (4) angegriffen und überfallen worden. Deshalb befehle ich, daß du bei Anfunft meines edlen Befehls (5) in dieser Hinsicht nicht leichtsinnig bist und auf keinem Fall jemanden auf zum Lande Polen gehörende (6) seien es Vorstädte, Dörfer, Landstädte oder andere Orte (7) Angriffe und Überfälle ausführen läßt. (Sanctio) Laß niemanden gegen den zwischen beiden Seiten bestehenden Vertrag und das Sicherheitsabkommen (8) handeln. Das sollst du wissen. (Correboratio) Dem edlen Zeichen sollst du vertrauen. (Datatio) Geschrieben in der dritten Dekade des Monats rebi`ülevvel (9) im Jahre 967 (Locus) in der Residenz Konstantinopel.”*

Literaturauswahl

Allgemein

Beck, Friedrich und Henning Eckart (Hrsg.): Die Archivalischen Quellen. Eine Einführung in ihre Benutzung. 2 Aufl. Weimar 1994

Büssem, Eberhard und Neher Michael (Hrsg.): Arbeitsbuch Geschichte. Neuzeit 1 (16. bis 18. Jahrhundert) Quellen. München 1977

Brand, Ahasver von: Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften. 10 Aufl. Stuttgart 1983

Osmanisch

Matuz, Josef: Das Kanzleiwesen Sultan Süleymans des Prächtigen. (Freiburger Islamstudien; Bd. V). Wiesbaden 1974

Reychman, Jan und Zajaczkowski, Ananiasz: Handbook of Ottoman-Turkish Diplomatics. Den Haag-Paris 1968

Schell, Helmuth: Die staatsrechtliche Stellung der ökumenischen Kirchenfürsten in der alten Türkei. Ein Beitrag zur Geschichte der türkischen Verfassung und Verwaltung. (Abbhandlung der Preußischen Akademie der Wissenschaften: Jg. 1942.) Berlin 1943

Tughra

Babinger, Franz: Die grossherrliche Tughra. Ein Beitrag zur Geschichte des osmanischen Urkundenwesens. Leipzig 1925 Nachdr. Istanbul 1975

Nadir, Aysegül (Hrsg): Osmanli Padisah Fermanlari / Imperial Ottoman Fermans. London 1986

Schätze Aus dem Topkapi Serail. Das Zeitalter Süleyman des Prächtigen. Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz Museum für Islamische Kunst, Berlin 1988 (1)

 

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