Osmanisches Reich
Osmanisches Reich

Das osmanische Heerwesen II

4. Besoldete und Belehnte Sondertruppen

Tschausche und Hoffouriere im Seray 18 Jh.

Neben den zentralen Gardekavallerieeinheiten und der Infanterie, sowie den Genieeinheiten gab es noch zwei besondere Einheiten, die auf militärischem und staatspolitischen Gebiet aktiv waren. Hier zu zählten die Tschausche und die Hoffuriere.


4.1. Tschausche (cavus): Die Tschausche rekrutierten sich aus der Palastschule. Sie waren in zwei unterschiedliche Bereiche getrennt. Zum einen die besoldeten Leibgarden des Sultans, die im 5 Janitscharenregiment als Infanterie organisiert waren, zum Anderen die Hoftschauschen. Kommandeur der Tschausche war der (Basch Tschausch), als militärischer Dienstgrad einem Generalleutnant gleichgestellt und somit im Generalstab tätig. Gleichzeitig spielte er die Rolle einen Staatsicherheitschef in Fragen der Innen- und Aussenpolitik. Die Militärtschausche hatten polizeiliche Funktionen (Militärpolizei) innerhalb des Heeres und als Teilaufgabe die Auszahlung der Janitscharengehälter. Sie waren für die Disziplin und für die Ausführung von Urteilen verantwortlich. Die Hoftschausche wurden besonders im diplomatischen Verkehr mit ausländischen Höfen eingesetzt. Dabei hatten sie die Funktion ausserordentlicher Gesandter (Gesandtschaften). Während die Militärtschausche besoldet wurden, erhielten die Hoftschausche ihre Versorgung durch Staatslehen (ziamet).


4.2. Hoffouriere (müteferrika): Ähnlich den Tschauschen rekrutierten sich die Hoffouriere aus Palastschülern, sowie von Söhnen hoher Würdenträger. Während die Militärfouriere als berittene Leibgarde des Sultans dienten, wurden gerade in der Frühzeit die Hoffuriere als Gesandten eingesetzt. Neben der Aufgabe als Leibwache fungierten die (müteferrika) als Adjutanten im Offiziersrang im Generalstab. Die Hoffouriere hatten ihre Aufgabe in der Vorbereitung und Durchführung von zeremoniellen Anlässen. Die Militarfouriere wurden besoldet, hingegen erfolgte die Versorgung der Hoffouriere durch Staatslehen (ziamet) .

Dienstgrade, Dienststellung, Truppen- und Waffengattungen sowie Führung und Organisation

Dienstgrade Pforten- truppen 15 bis 18 Jh.

Eine im heutigen Sinne exakte Einordnung oder Zuordnung von militärischen Einheiten, Dienstgraden etc. ist nur schwer möglich. Dies liegt nicht nur an der langen Dauer des osmanischen Heerwesens, sondernden auch an der unterschiedlichen Tradition militärischer Vorbilder und Vorläufer. Dennoch erreicht die Heeresorganisation im 16 Jh. eine, im Gegensatz zu den abendländischen  Heeresorganisation, Führenden und effizienten Organisationsgrad. Diese Organisationsform wurde später als “sakro sankt” empfunden und mir kleinen Änderungen erst 1826 aufgelöst. Während das osmanische Heer unter Osman I und Orchan eher aus Stammeskriegern bestand begann der planmässige organisatorische Aufbau des Heerwesens unter Murad I. Geniale und wichtige Impulse entstanden unter Mehmed II der es Verstand ein schlagkräftiges Gegeninstrument zum Provinzaufgebot zu schaffen und technischen Neuerungen sehr aufgeschlossen gegenüberstand.

 

Dennoch wurde der strukturieren Aufbau, insbesondere des Versorgungswesen, auch und gerade durch die Flotte, erst unter Selim I erreicht. Er schuf die Grundlagen eines Heeres, das seinen Gegnern, ob in Asien oder Europa, vor allem in der Organisation und Disziplin d.h. der Kampfkraft überlegen war. Unter Süleyman I trafen alle Faktoren  d.h. Militärisches Talent, Finanzmittel und Kampfkraft zusammen. Das osmanische Herrenwesen hatte seine optimale Organisation und Führung erreicht die durchaus Moderene Organisationsvergleiche besteht. Mit dem Rückzug starker persönlicher Sultane aus der militärischen Führung und dem Entstehen unterschiedlicher Herrschaftsgruppen, änderte sich auch die soziale Gruppe der im Heer be- heimateten Soldaten. Das führte im 17 Jh. zu einem starken Rückgang der potentiellen Kampfkraft und ab 1650 auch zu einem Stillstand der militärischen Entwicklung. Versuche zwischen 1650 und 1826 der Reform des Militärs ändeten für den Initiator oft tödlich. Erst die Vernichtung der Janitscharen zerbrach die militärische Lethargie und modernisierte die Armee. Dennoch dauerte es bis 1869 bis europäische Organisationsformen der Rekrutierung, Führung, Organisation und Einteilung im osmanischen Heer in größerem Rahmen umgesetzt wurden.

Es ist nicht Einfach die Organisationsformen wie Regimenter, Divisionen oder Kompanien mit den osmanischen Einheiten, bölük oder orta zu vergleichen dennoch kann die Regimentseinteilung be- stehen bleiben, weil sie eine eingeschränkte Vergleichbarkeit ermöglicht Bei den Dienstgraden sehen wir im 16 und 17 Jh. Ähnlichkeiten zum abendländischen Fürhrungsmodell. So waren osmanische Kommandeure im Generalsrang bzw. im Generalstab auch gleichzeitig im Kampf, Führer einer Kampfeinheit z.B. Division, Brigade, Regiment oder Kompanie. Diese zweischichtige Organisationsform setzt sich auch im Stab der Kampfeinheit fort. Das be- deutet z.B. das ein Orta Kommandeur (Oberst) einen eigen Stab mit Stabsoffizieren unterhielt die wiederum kleinere Einheiten als Offizier oder Unteroffizier führten. Eine exakte Unter- bzw. Überordnung der Dienstgrade ist deshalb nur mit Einschränkungen möglich. Erst im 19 Jh. wurden die europäischen Einheiten und Dienstbegriffe ins osmanische Heer übernommen.



 

Sultan Süleyman I Belagerung von Szigetvár 1566

 

Provinzial Truppen (ejalet askeri)

1. Kavallerie (Serhadkulu)

Gut gepanzerter Timorit (spahi) im 16. Jahrhundert.

1. Belehnte Provinzialkavallerie


Kernstück der Osmanischen Armee bildete die sogenannte Provinz Kavallerie oder Timoriten (sogenannt nach der Belehnung durch Landvergabe). Dabei wurden an einfache Reiter (spahis) kleine Gehöfte (timar) auf Zeit vergeben, an höher stehende Offiziere ( z.B. Sandschakbey oder Alaybey) grössere Gebiete (ziamet). Diese Landvergabe auf Zeit (ähnlich der Lehenspraxis im europäischen Mittelalter) hatte muslimische und christliche Vorbilder. Zum Einen das seldschukische (iqta), dieser persische Begriff bedeutet Vorsorge oder Fürsorge und zum Anderen der byzantinische Begriff (Pronia) welche einen freien Grenzkrieger mit Land bezeichnet. Entscheidend bei der Vergabe des Landes war, dass der Inhaber nur Einkommens- und Fronrechte auf Zeit inne hatte, nicht aber über die juristische Hoheitsrechte z.B. der Leibeigenschaft seiner Untertanen verfügte und nur sehr eingeschränkt Erbansprüche auf das Land gegenüber der Zentralverwaltung einfordern konnte. Entscheidend bei dieser Bezahlungsart war die grosse Anzahl an gut ausgebildeten und ausgerüsteten Kavalleristen, die in der Bezahlung nicht abhängig von der Kassenlage der Zentrale waren sondern jederzeit (Frühjahr bis Herbst) einsetzbar waren. Dieser Umstand bildete den grössten Unterschied zum Söldnerwesen im 16. und 17. Jahrhundert in europäischen Armeen. Die Ende des 16. Jahrhundert einsetzende Zersplitterung der Timare sowie die inovationsfeindliche Einstellung und vor allem die Änderung der Taktiken in Europa zu Infanteriearmeen läutete den Untergang der Timoriten bis ins 19. Jahrhundert ein.

 

1.2. Belehnte Kavallerie (spahis): Schon Ende des 14. Jahrhunderts bildete sich in den eroberten, ehemals christlichen Gebieten zur Bodenverteilung seitens der Zentralverwaltung die sogenannte Lehensreiter (Timoriten oder Spahis) heraus. Anfänglich gab es auch eine beachtliche Anzahl von christlichen Spahis, insbesondere serbischer und bulgarischer Abstammung. Zum Ende des 15. Jahrhundert waren diese allerdings samt ihren Familien zum Islam konvertiert. Kommandeur der Sphistruppen war der jeweilige Provinzstatthalter (Sandschakbeg). Diese Einheiten wiederum waren in sogenannte Regimenter (bölük) gegliederte, an deren Spitze der Subaschi stand. Je zehn dieser Regimenter (bölük) unterstanden einem Obersten (Alaybeg oder Miralay), dessen unmittelbarer Vorgesetzter der Sandschakbeg war. Anfang des 16. Jahrhunderts standen zirka 30.000 Tsd. Spahis zur Verfügung, später nahm ihre Anzahl dramatisch auf 2 - 3.000 Tausend unter Selim III (1789 - 1807) ab.

Akinci 17 Jh. (Renner und Brenner)

1.3. Besoldete Kavallerie (cebeli): Die Spahis waren nicht nur persönlich zum Militärdienst verpflichtet, sie mussten darüber hinaus je nach Grösse und Einkommen ihres Timares bis zu sieben bewaffnete Kavalleristen (cebelis) auf eigene Kosten ausrüsten und führen. Anfang des 16. Jahrhunderts standen neben den schwerbewaffneten Spahis noch etwa 70.000 Tsd. leichter bewaffnete Cebelis zur Verfügung. Im 17. Jahrhundert bildeten sich daraus ireguläre besoldete Einheiten. Die  bei weitem die Kampfkraft der bisherigen Provinzialkavallerie und deren straffe Disziplin nicht ersetzen konnten und grosse Mengen an Soldgelder verbrauchten.


1.4.1. Leichte Kavallerie (akinci): Bei den leichbewaffneten Akincis handelt es sich um leichte Reiterrei, deren  Wurzeln aus dem Gahzitum bzw. der türkischen  Stammesreiterei stammten. Dabei handelt es sich um freiwillige Kämpfer, immer in der Hoffnung auf Beute oder Belehnung bei Tapferkeit. Ihre Einheit unterstand dem Akinci Beg der meist aus der Familie Mihaloglu stammte. Diese Familie geht auf Köse Mihal einem ehemals byzantinischen Lehensherr zurück, der sich Osman I. Ende des 13. Jahrhunderts als Truppenführer anschloß (Die Familie Mihaloglu - Harmankaya) Die Akincis dienten der Aufklärung, der Verfolgung und bei Kleinkriegsaktionen. Ihre rasche Verfügbarkeit und ihr schneller Aktionsradius verunsicherten gerade im europäischen Feindesland die Bevölkerung. Da sie von Beute lebten und die Infrastruktur der geplünderten Gebiete zerstörten wurden sie insbesondere im deutschspraischen Grenzgebiet als Brenner und Senger bekannt. Dabei ereichten sie 1478 zum ersten Mal in Kärnten (Türken in Kärnten) deutschen Boden. Gerade in der Steiermark und in Kärnten sind bis heute Geschichten aus der Zeit der Türkenkriege lebendig insbesondere der erfolgreiche Kampf am Steinfeld 1532 gegen die plünderten Einheiten der Akincis. 1595 wurden Akincieinheiten leichtsinnig im Kampf mit den Wallachen geopfert. Da sich die Einheit von dieser Niederlage nicht mehr erholte löste sie sich damit auf.



Delis im 17 Jh.

Ein Christ in osmanischen Diensten berichtet:
    

“Die Türken nennen ihre Jäger akinci, das bedeutet Renner. Sie sind wie Regengüsse, die aus Wolken stürzen. Und diese Güsse schaffen große Überschwemmungen und reißende Bäche, die über das Ufer spülen, alles, was sie erfassen, tragen sie mit sich fort, aber sie sind nicht von langer Dauer. Den Wolkenbrüchen gleich verweilen die Jäger oder türkische Renner nur kurz. Sobald sie etwas erreichen, ergreifen und rauben sie es. Sie morden und richten solche Verkeerungen an, das an den Stellen viele Jahre kein Hahn mehr kräht.”


Stöckel, Günther (Hrsg.): Memoiren eines Janitscharen oder Türkische Chronik. Übers. Lachmann, Renate. Slavische Geschichtsschreiber Band 8. Graz 1975 S. 163

1.4.2. Leichte Kavallerie (delis): Verwegene Freiwillige, die sich aus ursprünglich erfahrenen Akincis zusammensetzten, nannte man ab dem 15. Jahrhundert Fährtensucher oder Verrückte (delis), insbesondere deshalb, da sie durch ihr Äusseres versuchten den Gegner zu beeindrucken bzw. zu demotivieren. Die Aufgabe glich den der Akincis unter dessen Führung sie bis zur Auflösung derselben standen. Später, als sie die Aufgaben der Akincis übernahmen, änderte sich ihre Bedeutung als lokale und grenznahe leichte Kavalerie insbesondere in Kroatien und Bosien, bis sie im 19. Jahrhundert aufgelöst wurden. Dabei Rekrutierten sich ihre Mitglieder hauptsächlich aus diesen Gebieten.


1.4.3. Leichte Kavalerie (gönüllü): Die leichte Reiterrei von Begeisterten (gönüllü) bestand aus Provinzbewohner, die in Städten und Festungen ihren Dienst gegen Sold verrichteten. Eigentlich waren sie leichte Hilfsreiterei, die nicht in einer regulären Schlacht eingesetzt wurden, allenfalls als Deckungs- und Bewachungseinheiten. Der gleiche Name wurde in gleicher Funktion auch für Infanterie verwendet.

Krimtatar 17 Jh.

1.5.1. Kavallerie Hilfstruppen (Tataren): Nach dem Untergang der Goldenen Horde in Russland bildete sich Mitte des 15 Jh. auf der Krim und in grossen Teilen der heutigen Ukraine das Khanat der Krim. In den Nachfolgerkämpfen mischte sich Mehmed II ( 1444 - 1481) zu Gunsten des Khan Mengli Giray (Gerey) ein und sicherte ihm und seiner Familie als Vassall den Thron. Die Dynastie der Familie Giray herrschte ab dieser Zeit als Vasall bis zur Eroberung durch die Russen im Jahre 1774 bzw. 1783. 1532 wurden erstmals tatarische Kavallerie als Hilfstruppenteile in Ungarn eingesetzt. Dabei hatten sie die selben Aufgaben wie die osmanischen Akincis. Ihre Zahl variierte zwischen 18. und 30. Tausend leichte Reiter nur selten mit Feuerwaffen (Artillerie wurde durch osmanische Kontingente, im Regelfall durch den Beglerbey von Kaffa, gestellt.). Nach dem Untergang der Akincis ersetzten die tatarischen Hilfstruppen deren Aufgabe neben der Aufgabe als Begleit- und Deckungstruppen. Die Führung lag meist bei einem der zwei Stellvertreter (qalga und nureddin) des Khan selbst die wiederum aus der belehnten Adel (mirza) der Krimtataren stammten. Dabei waren sie meist Mitglieder der Khansfamilie Giray. Einige der Reiter (celebi) wurden, ähnlich den celibis der Timoriten, mit erblichen Lehen besoldet, andere Soldaten lebten von der Beute auf den Raubzügen gegen polnisches, russisches Gebiet oder gegen die Kossaken.


1.5.2. Kavallerie Hilfstruppen (Serben): Nach der Niederlage auf dem Amselfeld 1389 wurden die serbischen Despoten zur Heerfolge verpflichtet. Dabei handelt es sich um gepanzerte Kavallerie (Panzerreiter). Die osmanischen Geschichtsschreiber erwähnen mehrmals die herausragende Tapferkeit der serbischen Panzerreiter, als Teil christlicher Hilfstruppen (voynuks), vor allem in der Schlacht bei Nikopolis 1397 und bei Angora (Ankara) 1402. Gleichfalls werden serbische Panzerreiter im osmanischen Bürgerkrieg als Hilfstruppen verwendet und verlieren erst nach dem Untergang des letzten serbischen Vasallenstaates 1459 den Charakter einer eigenen Hilfstruppe. Einzelne Panzerreiter wechselten nach der Konversion zum Islam ihren Status zum belehnten Spahi.


1.5.3. Kavallerie Hilfstruppen (Mamluks): Als lokale Provinzreiterei bestand nach der Eroberung Ägyptens 1517 die Mamelukische Reiterei weiter. Sie wurden vor allem in Ägypten und als Deckungs- und Bewachungstruppen für die Pilgerkarawannen eingesetzt. Ihr Ursprung liegt schon im 12. Jh. als sie, ursprünglich als Prätorianergarde in Ägypten, die Macht übernahmen. Die Mamluken waren ursprünglich türkische Sklaven (mamluk). Später rekrutierten sich die Mamluken aus südrussischen, tscherkessischen aber auch armenischen und kurdischen Kindern die als Soldaten in die Mamlukenkavallerie verkauft und dort millitärisch aufgezogen wurden. Ihre über Jahunderete vernachläsigte Weiterentwicklung ermöglichte die leichte  militärische Vernichtung durch Napoleon I 1798 in der Schlacht bei den Pyramiden. Ihre physische und soziale Vernichtung erfolgt 1811 als der dortige osmanische Kommandant Muhammed Ali (1769-1849) die verbliebenen Mamluken beseitigte und sich als lokaler Machthaber implementierte.

2. Provinz Infanterie (Yerlikulu)

Schlacht bei Hacova 1598. In der Mitte und hinter Sultan Mehmed III sind die Pfortentruppen zu erkennen. Links und Rechts erkennt man die Provinzkavallerie.

Bei der Grösse und Vielzahl der unterschiedlichen Provinzen des osmanischen Reiches gibt es eine ebenso zahlreiche Vielfalt an regulären und irregulären Infanterieeinheiten. Gleichfalls kommt erschwerend hinzu, dass diese Einheiten im Laufe der Zeit ihre Funktion, Rekrutierung und Besoldung etc. veränderten. Es kann deshalb nur eine Auswahl an Einheiten genannt werden. Andere Hilfstruppen wie Sekbans / Tüfekschi-Musketeers / Levends / Klepts / Martolos / Derbentcis / Kapois / Pandurs / Dalatiya / Hayduks / Dorobantis/ Slujitoris / usw. bleiben hier unerklärt.


2.1. Besoldete Infanterie (azep): Diese leichte Infanterieeinheiten wurden ursprünglich, ähnlich einer Wehrpflicht, durch jeweils einer bestimmte Anzahl von unverheirateten Männer pro Haushalt in Anatolien zur Regierungszeit Sultan Murad I (1362-1389), ausgehoben und bezahlt. Im 16. Jh. erfolgte ihre Rekrutierung in der Hauptsache in grenznahen Gebieten, wo sie durch örtliche Kommandanten besoldet wurden. Dabei gab es zwei Arten von Azaps. Einmal dienstleistende Infanteristen als Deckungseinheiten in der Schlacht vor der eigentlichen zentralen Infanterie und später verstärkt als Festungsinfanterie, und zum Anderen dienstleistende Schiffssoldaten die vor allem in den Küstenregionen rekrutiert wurden. Mitte des 16 Jh. gab es einen Bestand von ca. 30.000 Tausend Azaps die zentral einem Azabagabaschi unterstellt waren.  Ihre militärische Einteilung ähnelte den der Janitscharen, da sie ebenso in ortas eingeteilt und geführt wurden. Später wurden die Azeps durch Sekbaneinheiten und im 17. und 18 Jh. durch Tüfekschi-Musketiere ersetzt.

2.2 Freiwillige Infanterie  (gönüllü): Die leichte Infanterie von Begeisterten (gönüllü) bestand aus Provinzbewohner, die in Städten und Festungen ihren Dienst gegen Sold verrichteten. Eigentlich waren sie besoldete Freiwillige, die nicht in einer regulären Schlacht eingesetzt wurden, allenfalls als Deckungs- und Bewachungseinheiten. Der gleiche Name wurde in gleicher Funktion auch für Kavallerie verwendet.

2.3. Hilfstruppen (yoynuks): Anfangs stand die Bezeichnung für christliche Hilfstruppen der Vasallenstaaten, die im Kriegsfall Soldaten zu Fuß und zu Pferd stellen mussten. Dies waren im 14. und 15. Jh. vor allem Bulgaren, Wallachen und Serben. Mit Ende des 15. Jh. kam der Begriff aus dem Sprachgebrauch und aus den Vasallenstaaten wurden entweder lokale Einheiten oder sie dienten konvertiert in den neu entstehenden osmanischen Waffengattungen. 



3. Belehnte oder besoldete Provinzsondertruppen

Müsellem 15 Jh.

Gleich den leichten Infanterieeinheiten entwickelten sich aus ursprünglichen Kampfeinheiten sogenannte Pionier- oder Transport bzw. Arbeitstruppen. Diese waren  für die Logistik der Infrastruktur der durch das Militär wichtigen Strassen und Brückenverbindungen sowie für die Heereslagereinrichtung zuständig.


3.1. Belehnte und besoldete Transporttruppen (yayas): Mit der Eroberung fester Plätze gründete Sultan Orchan (1334-1362) eine belehnte und zum Teil besoldete Infanterieeinheit die sich in der Hauptsache auf türkischstämmige Soldaten stüzte und zu allererst zur Festungsbesatzung eingesetzt wurde. Die auch im Kampf eingesetzten Einheiten wurden bald von den azaps und dann von den Janitscharen ersetzt. Im 15. Jh. änderte sich ihr Auftrag in der Form, dass sie für die Reparatur und das Erbauen von Strassen zuständig wurden ebenso wie für Brücken oder militärischen Einrichtungen an den Heeresstrassen (piyaden). In dieser Funktion wurde die Einheit besoldet und zusätzlich von der regulären Besteuerung ausgenommen.


3.2. Belehnte und besoldete Transporttruppen (müsellem): Als Gegengewicht zu den Stammeskriegern und Ghazireitern gründete Sultan Orchan das Korps belehnter Kavallerie (müsellem) anfangs aus konvertierten Christen in Europa. Die anatolischen Kontingente wurden aus muslemisch-türkischen Stammeskrieger rekrutiert. Die Bezahlung erfolgt bei der Gründung durch die Belehnung mit Timaren, bis die Spahis die Lehensreiterei dominierten. Diese turkmenischen Stammesreiter nannte man auch (Yörüken).  Im 15. Jh. änderte sich ihr Auftrag in der Form, dass sie für die Reparatur und das Erbauen von Strassen zuständig wurden ebenso wie für Brücken oder militärischen Einrichtungen an den Heeresstrassen. In dieser Funktion wurde die Einheit besoldet und zusätzlich von der regulären Besteuerung ausgenommen.

 


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