Die Homepage versucht osmanische Geschichte im Sinne einer nachvollziehbaren, objektiven und überzeugenden Art und Weise darzustellen. Dabei sollen die Ereignisse durch geschichtswissenschaftliche Kriterien mit den "Werkzeugen des Historikers" auf deren Ursuchen und Wirkungen untersucht werden.
„Immer hat Geschichte zwei Komponenten: das, was geschehen ist, und den, der das Geschehene von seinem Orte in der Zeit sieht und zu verstehen sucht. Nicht nur korrigieren neue sachliche Erkenntnisse die alten; der Erkennende selber wandelt sich. Die Vergangenheit lebt; sie schwankt im Lichte neuer Erfahrungen und Fragestellungen.“ (Golo Mann)
Die zunehmende Stoffmenge der dabei in jüngster Zeit ausufernden Sekundärliteratur, gemeint sind hier Veröffentlichungen nicht osmanischer Quellen, erscheint es mir schwierig, Zugang zur osmanischen Geschichte zu bekommen. Diese Homepage versucht einerseits, in Form geschichtsdidaktischer Methoden, ein mehrdimensionales Geschichtsbewusstsein zu ermöglichen und andererseits, die gezielt von politischen Interessen geleitete Darstellung (Geschichtspolitik) osmanischer Geschichte in ihrer Meinungsbildung zu hinterfragen.
Zur Entwicklung der osmanischen Forschung
Tieze, Andreas: Mit dem leben gewachsen. Zur osmanischen Geschichtsschreibung in den letzten fünfzig Jahren, in: Das Osmanische Reich und Europa 1683 bis 1789: Konflikte, Entspannung und Austausch. (Wiener Beiträge zur Geschichte der Neuzeit Bd. 10) München 1983 S. 15-23
Kreiser, Klaus: Clio s Poor Relation: Betrachtungen zur osmanischen Historiographie von Hammer-Purgstall bis Stanford Shaw, in: Das Osmanische Reich und Europa 1683 bis 1789: Konflikte, Entspannung und Austausch. (Wiener Beiträge zur Geschichte der Neuzeit Bd. 10) München 1983 S. 24-43
Zusätzlich bin ich der Überzeugung, das auch künstlerische Betrachtungsweisen der osmanischen Geschichte z.B. in Museen, Ausstellungen, Bildern oder in die literarische Verarbeitung von Nutzen sein kann auch wenn es hierbei nicht vorrangig um ein wissenschaftliches Erkenntnisinteresse geht sondern lebendige Kultur vermittelt werden soll.
Osmanische Geschichte ist ganz sicher nicht nur in der Dimension einer abfolge kriegerische Betrachtung zu verstehen, sondern kulturelle und wirtschaftliche sowie soziale Fragestellungen ergänzen gleichberechtigt die politische Geschichte.
"Denn der osmanische Staat und die osmanische Gesellschaft sind viel zu oft lediglich als kriegerische verstanden worden. Seit wir wissen, dass auch europäische Staaten der frühen Neuzeit hauptsächlich durch und für den Krieg existierten, ist es kaum gerechtfertigt, die Kriegsführung und die auf den Krieg ausgerichtete politische Organisation als osmanische Besonderheit zu betrachten."
(Faroqi, Suraiya: Geschichte des Osmanischen Reiches. München 2000 S. 12)
Faroqi, Suraiya: Approaching Ottoman History. An Introduction to the Sources, Cambridge 1999
Eine Einführung für Studenten und Interessierte für das Studium der OSMANISTIK - IRANISTIK - TURKOLOGIE an der Universität in München, 5 Aufl. 2008.
Aufbau der Geschichtsseiten
Diese Homepage versucht unter dem Stichwort "Geschichte" die politische Geschichte an einzelnen Themen, Zeitangaben oder Perioden festzumachen und darzustellen. Darüber hinaus werden auch verwaltungstechnische Themen angesprochen sowie Themen der Beziehungen zwischen dem Osmanischen Reich und Europa. Darüber hinaus wurden die "Sultane" als eigenes Gebiet der Darstellung bearbeitet.
Die Kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Themen sind unter dem Stichwort "Kunst&Kultur" zusammengefasst. Hier befinden sich Themen wie Schrift, Religion, Städtebau und einiges mehr.
Natürlich sind hier auch mögliche Themen angrenzender Geschichtsgebiete angesiedelt wie die byzantinische Geschichte oder die Geschichte des osmanischen Nachfolgestaates die der Türkei.
Auf der Seite "Über Mich" erfahren sie mehr zu meinem Lebenslauf und können mich für "Vorträge&Seminare" gerne ansprechen
Letztendlich sei angemerkt, dass diese Homepage eine dynamische Seite darstellt und weder abschließend ist noch eine Wertigkeit in der Bearbeitung seinen bisherigen Themen zum Ausdruck bringen möchte.
Je nachdem wie und wie Umfangreich man sich osmanischer Geschichte nähren möchte gibt es einige einführende Werke auf dem deutschen Buchmarkt die ich gerne kurz vorstellen möchte.
Eine hervorragende kurze aber im wesentliche kompakte Einführung als Taschenbuch für den schmalen Geldbeutel ist:
Faroqhi, Suraiya: Geschichte des Osmanischen Reiches, München 2000
Wer intensiver in das Gebiet einsteigen möchte den verweise ich auf:
Matuz, Josef: Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte, Darmstadt 1985
Wer sich gleich ein Grundlagenwerk anlesen möchte dem empfehle ich:
Iorga, Nicolas: Geschichte des Osmanischen Reiches, 5 Bde., Gotha 1908-1913, Nachdruck Frankfurt a.M. 1990
Für Kinder und Jugentliche oder Leser die gerne Bilder zum Text bevorzugen empfehle ich:
David, Nicolle: Die Osmanen. 600 Jahre islamisches Weltreich, Wien 2008
Wer sich gleich für die gesammte türkische Geschichte bis ca. 2002 interresiert:
Kreiser, Klaus & Neumann, Christoph K.: Kleine Geschichte der Türkei. Stuttgart 2003
Für Studenten und Leser die sich gerne eine funktionale Einführung und eine aktuelle Literaturübersicht wünschen:
Kreiser, Klaus: Der Osmanische Staat 1300-1922, München 2001
Und zum Schluß für Einzelkämpfer die historische Überblicke lieben:
Hammer-Purgstall, Joseph von: Geschichte des Osmanischen Reiches, 10 Bde., Pest 1827-1835, Nachdruck Graz 1963
Zinkeisen, Johann Wilhelm: Geschichte des Osmanischen Reiches in Europa, 7 Bde., Hamburg/Gotha 1840-1863
Das neue Magazin "Das Osmanische Reich 1300 - 1922" aus der Reihe GEO EPoche ist am 15 August 2012 erschienen. Es hat mich gefreut, dass dieser wichtige und faszinierende Staat in Deutschland eine neue Aufmerksamkeit durch das vorliegende Magazin erhält. Insgesamt ist die Ausgabe gelungen und regt an, sich mit diesem islamischen Imperium intensiver zu befassen. Dazu wurden interessante Fotografien genutzt und ein ansprechendes Äußeres erschaffen. Sicherlich kann man unterschiedlicher Meinung über die Aufteilung der Themen, die versuchen 600 Jahre darzustellen, sein und doch zeigt die Auswahl eine verständliche Einteilung osmanischer Epochen. Als Einführung kann ich das Magazin empfehlen, möchte aber noch einige kritische Anmerkungen anfügen.
Eine Übersicht der Begriffe, der Herrscherdaten und vor allem eine kurze Literaturliste wäre von Vorteil gewesen. Auch die in den einzelnen Artikel genannten Hinweise sind zum Teil sehr speziell und nicht immer als Grundlage für die Thematik glücklich gewählt. Schade ist bei einigen Artikeln die Übernahme einer Sichtweise auf das Osmanische Reich, das seine Wurzeln im Orientalismus (Edward Said) des 19 Jh. hat. Das Osmanische Reich erscheint so als das orientalische Märchenland mit seiner grausamen orientalischen Tyrannei. Beispiel ist die Erwähnung des Gesetzes vom Brudermord durch Mehmed II. Hier ist der Autor nicht auf der Höhe der zeitgeschichtlichen Forschung. Schon Konrad Dilger hat die falsche Behauptung widerlegt. Auch die Behauptung, dass das Osmanische Reich vor allem ein Militärstaat gewesen sei, zeugt von einer eurozentrierten Sicht, die bei gründlicher Beachtung der Literatur von Suraiya Faroqhi, derzeit eine der besten Kennerinnen osmanischer Geschichte, zurecht verneint wurde. Leider wurde auch die Chance nicht genutzt, die historischen Abhängigkeiten zwischen unserer und der osmanischen Geschichte aufschlussreicher darzustellen, z.B. die Finanzierung der Türkenkriege durch die Türkensteuer, die Einrichtung der deutschen Reichskreise zur Türkenabwehr und die permanente Türkengefahr als politische Argumentation in der Durchsetzung der Reformation in Deutschland.
Uwe Becker