Osmanisches Reich
Osmanisches Reich

Sprache / Schrift / Kalligraphie

Hilye, Istanbul 1905 Schrift celî sülüs und ta`lik von Hasan Riza Efendi (1871-1920)

Osmanisch / Türkisch

 

Das Osmanische basiert auf dem oghusischen türkisch und war die verbindliche Verwaltungssprache des Osmanischen Reiches. Während in der Anfangsphase des Reiches das altosmanisch in der Verwaltung und in der Bevölkerung gleichermaßen Verwendung fand, gelangten im mittelosmanischen beginnend im 15 Jh. immer mehr arabische und persische Elemente in die ursprüngliche Sprache. Dabei wurde gerade durch die schriftliche Verwendung der arabischen Schrift das ursprüngliche türkische Vokabular verdrängt. Damit wurden teile der arabischen und persischen Grammatik ebenso Bestandteil der osmanischen Schrift wie der Sprache. Diese Mischung der aus unterschiedlichen Sprachgruppen entstanden Schrift entwickelte somit auch eigene Schrifttypen und Schriftarten die in verschieden gesellschaftlichen Gruppen auch unterschiedliche Ausdruckformen bzw. in ihrer Lienenführung (Duktus) zahlreiche Spezialisierungen in ihrer Verwendung fanden.

 

Nach 1850 mit dem auftreten der neu osmanischen Sprachform, die sich durch Aufnahmen auch aus westlichen Sprachen entlehnten Wörter, veränderte, entstand eine groß diskrepantes zwischen dem vulgär türkischen und der osmanischen Hofsprache die es nach der Sprachreform von 1928 so gut wie unmöglich machte allein durch Kenntnis des Türkeitürkischen osmanische Texte zu lesen. Dies lag nicht nur an der Verwendung der lateinischen Schrift ab dem 01. November 1928 sondern an der über Jahrhunderte sich abweichenden Ausdrucksform einer ganz anderen, des osmanischen geläufigen, Gesellschaftsschicht. Gerade aber diese im Osmanischen Reich geborenen und Ausgebildeten Eliten verwendeten zum Teil bis in die heutige Zeit ein türkisch, das sich durch einen reich an arabischen ausgeprägten Stil darstellt. Nicht nur in der türkischen Verwaltung, sondern besonders im religiösen Bereich, in dem das Arabische, als Sprache des Koran, naturgemäß einer bedeutenden Rolle spielt.

Turksprachen

Die Turksprachen werden zu der altaischen Sprachgruppe zusammen mit mongolisch und mandschu-tungusisch gerechnet. Dabei  wiederum werden die Turksprachen in 6 geographisch-historische Kriterien unterschieden.  Zur Gruppe der Südwest- oder Oghusischen Gruppe gehört das neben Aserbeidschanisch, Turkmenisch auch das Osmanische und das heutige Türkische. Das Osmanische wird in drei Hauptgruppen unterteilt. Altosmanisch (Seldschukisch) bis 15 Jh., danach erfolgt die Veränderung in das Mittelosmanisch bis 1850 und abschließend das Neuosmanisch bis 1928.

 

Mit der so genannten “Sprachsäuberung” (Gesetz über die Annahme des lateinschriftlichen türkischen Alphabetes Türk Harfleri vom 01 November 1928) wurde versucht arabischem und persischem Elemente aus der Sprache zu nehmen und durch alttürkische Begriffe zu ersetzen. Gleichfalls erfolgte eine Übernahme westlicher Ausdrücke insbesondere aus dem französischen und italienischen für moderne Begriffe die im türkischen nicht vorkommen. 



 

 

Türkische Orchon-Runnen um 730 n.Chr.

Arabische Zahlen

Die arabische Schrift im osmanischen

 

Das Osmanische wurde bis zur Einführung der lateinischen Schrift in Arabisch geschrieben. Das arabische Alphabet läuft von rechts nach links. Die Mehrzahl der 28 Kohnsonaten hat eine Anfangs-, Mittel- und Endform und steht auch in unterschiedlicher Form allein. Im osmanischen wurden noch vier persische und ein türkische Buchstabe in die Schrift integriert. Neben diesen Buchstaben gibt es noch ca. 11 besondere Schriftzeichen, die die kurzen Vokale, Vokallosigkeit, Konsonantenverdoppelung und andere Besonderheiten anzeigen.

 

Zahlen

 

In der osmanischen Schrift wurden arabische und persische Zahlen benutzt. Zur Umrechnung der Zahlenangaben siehe: Chronologie

Die 6 Grundschriftenarten ( aklam-ı sitte)

arabische Schriftstile

Die älstesten arabischen Schriftarten waren nesih und kufi ( war bis ins 14 Jh. noch in Verwendung).

 

1. sülüs oder thuluth: Diese aus nesih hervorgehende Schriftsil wurde bevorzugt als celî sülüs von osmanischen Kalligraphen benutzt. Insbesondere an Monumenten und in Moscheen treffen wir diesen großartigen Duktus.

 

2. nesih: Diese vornehme Schreibschrift wurde vor allem durch “Wohltätige Stiftungen” und zum Kopieren des Koran benutzt. Sie bildet eine der wichtigsten Grundschriftarten der arabischen Buchstaben.

 

3. muhakkak: Diese Schriftart wurde bis ins 16 Jh. zum Kopieren großformatiger Korane verwendet.

 

4.reyhânî: Diese kleine Version von muhakkak, wurde bis ins 16 Jh. zum Kopieren kleinformatiger Korane benutzt.

 

5. tevkî: Diese schmalere Verwande von sülüs wurde vor allem im Kanzlei Schriftverkehr benutzt.

 

6.rika: Diese kleine Version von tevki wurde ebenfalls für den offiziellen Schriftverkehr benutzt.

Besondere osmanische Schriftstile mit unterschiedlichen Linienführungen (Duktus)

Beispiel für sülüs

1. ta`lîk: Diese feine Schriftart, verwandt mit der persischen nesta`lîk Schrift, wurde insbesondere für religiöse Kalligraphien benutzt. Als sike- ste ta`lîk wurde sie im 15 Jh. auch als offizielle Schrift für Kanzleischreiben angewandt.

 

2.rık`a: Dieser einfache Schriftstil wurde als Alltagsschrift im Osmanischen Reich benutzt.

 

3. siyaqat: Diese komplizierte rık`a Variante, verwandt mit der persischen þikasta Schrift, wurde insbesondere von der Finanzverwaltung genutzt. Durch zunehmende Verfeinerungen entstand eine nur schwer zu lesende Code gleiche Hofschrift.

 

4. dîvânî: Dieser Schriftstil war der meist benutzte Duktus im offiziellen Schriftverkehr des Osmanischen Reiches. Dîvânî enthält Eigenschaften des sülüs und ta`lîk. Er entwickelte sich im 16 Jh. als Kanzleischrift in unterschiedlichen Größen z.b. als celî dîvânî (celi im Sinne von “klar” da hier, im Gegensatz zu divani, die Vokalzeichen benutzt wurden)Im 18 Jh. wurde eine einfachere Form von dîvânî entwickelt der sich kırması dîvânî (kirmasi im Sinne von “grob”) nannte und bis zum Ende des Osmanischen Reiches als Hofschrift verwendet wurde.





Süleymaniye 1559 Inschrift Ahmed Karahisari sülüs. (Istanbul)

Transliterationsystem

Koran Istanbul 16 Jh. nesih. (Istanbul)

Mit der Schriftreform von 1928 hat meine eine lateinische Umschrift für das türkeitürkische neu festgelegt. Zur Darstellung der arabischen Schrift in die lateinische bedient man sich drei wissenschaftlicher Umschriften. Im deutschen Sprachraum bedient man sich der Umschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG)

 

Im englischsprachigen Raum wird die Umschrift der Encyclopaedia of Islam (EI) benutzt.

 

Bei der Wiedergabe osmanischer Texte verwendet man heute mehr und mehr die Umschrift der Islam Ansiklopedisi (IA)

 

In der früheren Literatur gibt es deshalb eine Vielzahl von Möglichkeiten wie osmanische Texte bzw. Wörter wiedergegeben wurden. Davon abgesehen haben sich einige Wörter in die deutsche Sprache in ihrer Schreibweise eingegliedert.



Kalligraphie

Löwe 1913 Ahmed Hilmi sülüs . (Khalili Collection Virginia)

Diearabischen Buchstaben haben keine einheitliche Linienführung sondern unterschiedliche Dukten deren Ausbildung insbesondere durch die Kalligraphie eine einzigartige künstlerische Ausprägung erlangt haben die weit über unseren Ausdruck Schönschreibkunst hinausgeht.


Kalligraphie ist eine in der islamischen Kultur zentrale Kunstform. „Kalligraphie ist eine Art geistige Geometrie, erzeugt durch ein materielles Werkzeug“(2). Da die arabische Schrift der wichtigste visuelle Ausdrucksform des Willens Gottes, gegeben durch den Koran, darstellt, wurde von Beginn der islamischen Religion und Kunst die innere Schönheit der des heiligen Buches innenliegenden Lehre durch die Kunst der Kalligraphie versucht darzustellen. Somit ist es eine einzigartige Kunst deren Weiterentwicklung, Vollendung und Bewahrung durch das Osmanische Reich eine singuläre künstlerische osmanisch-türkische Leistung darstellt.


Im Osmanischen Reich haben Generationen von Meisterkalligraphen ihre Kunst ständig weiterentwickelt, indem sie auf den Werken ihrer Vorgänger aufbauend, die Formen der Buchstaben veränderten, das Verhältnis zwischen Wort und Linie und die innere Geometrie der Buchstaben und Worte neu gestaltet. (siehe auch hilya)


In der islamischen Welt gibt es das Sprichwort, dass „ der Koran in Mekka und Medina offenbart, in Ägypten rezitiert, aber in Istanbul geschrieben wurde.“ (2)


Obwohl das Osmanische Reich im 19 und Anfang des 20 Jh. seinen stärksten Niedergang erlebte Blüte in dieser Zeit die Kunst der Kalligraphie. Erst die Türkische Republik stürzte diese Tradition in eine ungewisse Zukunft. Doch seit den 80 Jahren wächst die Zahl derjenigen Kalligraphen in der Türkei, die das osmanische Erbe bewahrt und zu neuen Leistungen sich rüstet. 

 

  

Levha Istanbul fürhes 19 Jh. celî sülüs Sultan Mahmud II

Literaturauswahl

Bugday, Korkut: Osmanisch. Einführung in die Grundlagen der Literatursprache. Wiesbaden 1999

 

Kreutel, Richard F.: Osmanisch-Türkische Chrestomathie. Reihe Porta Linguarum Orientalium Bd. 7, Wiesbaden 1965

 

Kühnel, Ernst: Islamische Schriftkunst. 2 Aufl. Graz 1972

 

Majidi, Mohammad-Reza: Das arabische-persische Aiphabet in den Sprachen der Welt. Eine graphemisch-phonemische Untersuchung. Reihe Forum Phoneticum Bd. 31, Hamburg 1984

 

Redhouse: Ingilizce - Türkce. English - Turkish Dictionary, Istanbul 1974

 

Siegel des Sultans. Osmanische Kalligrafie aus dem Sakip Sabanci Museum, Sabanci Universität, Istanbul. New York/Berlin 2001 (2)



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1754-1757

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